VISIONÄRE KUNST weicht vom Herkömmlichen ab. VISIONÄRE KUNST überwindet etablierte Regeln. VISIONÄRE KUNST stellt Infrage. VISIONÄRE KUNST stiftet Unruhe. VISIONÄRE KUNST kennt keine Grenzen. VISIONÄRE KUNST ist eigenwillig, ungezwungen, unangepasst und ungewöhnlich. VISIONÄRE KUNST ist subversiv, instinktiv und impulsiv. VISIONÄRE KUNST irritiert. VISIONÄRE KUNST wird von uns entdeckt, gezeigt und erforscht. 

VISIONÄRE KUNST weicht vom Herkömmlichen ab. VISIONÄRE KUNST überwindet etablierte Regeln. VISIONÄRE KUNST stellt Infrage. VISIONÄRE KUNST stiftet Unruhe. VISIONÄRE KUNST kennt keine Grenzen. VISIONÄRE KUNST ist eigenwillig, ungezwungen, unangepasst und ungewöhnlich. VISIONÄRE KUNST ist subversiv, instinktiv und impulsiv. VISIONÄRE KUNST irritiert. VISIONÄRE KUNST wird von uns entdeckt, gezeigt und erforscht. 

Wenn das Klassenzimmer ins Museum zieht

Seit 2018 ist «Schule im Museum» ein fester Bestandteil des Musée Visionnaire. Ein Projekt, das aus einem Museumsbesuch einen gemeinsamen Lern- und Erfahrungsraum macht.

Was passiert, wenn das Klassenzimmer regelmässig ins Museum zieht?

Seit acht Jahren tauschen vierte Klassen des Schulhauses Waidhalde und eine Mittelstufenklasse des Schulhauses Fluntern das Klassenzimmer gegen den Ausstellungsraum des Musée Visionnaire. Wöchentlich oder monatlich kommen die Schüler*innen ins Museum – nicht für einen kurzen Rundgang, sondern um über längere Zeit mit den Ausstellungen, den Kunstschaffenden und ihren eigenen Ideen zu arbeiten.

Ein Semester lang wird das Museum zu ihrem Ort.

Die Schüler*innen lernen die ausgestellten Künstler*innen kennen, setzen sich mit den Werken auseinander und entwickeln eigene Zugänge. Sie probieren aus, verwerfen, beginnen neu und entdecken dabei, dass es viele Wege gibt, sich Kunst zu nähern. Und irgendwann übernehmen sie selbst Verantwortung: Sie werden zu Vermittler*innen, erzählen Besucher*innen von ihren Lieblingswerken, beantworten Fragen und führen durch die Ausstellung.

«Es hat Spass gemacht, die Besucher herumzuführen und ihre Fragen zu beantworten. Ich habe gemerkt, dass ich ganz schön viel über das Museum weiss.»

Vermittlung bedeutet Beziehung

Für uns bedeutet Vermittlung Beziehung. Sie ist der Ausgangspunkt für Verstehen, Teilhabe und gesellschaftlichen Dialog.

Gerade im Museum entstehen besondere Räume, wenn unterschiedliche Lebensrealitäten, Erfahrungen und Perspektiven aufeinandertreffen. Kinder begegnen Kunst, Künstler*innen und Besucher*innen – und gleichzeitig ihren eigenen Fähigkeiten. Sie merken, dass ihre Sichtweise zählt und dass es etwas zu erzählen gibt, auch wenn sie noch keine «Expert*innen» sind.

Dabei geht es uns nicht darum, möglichst viel Wissen zu vermitteln. Vielmehr möchten wir einen Raum schaffen, in dem Kinder neugierig sein, Fragen stellen, eigene Gedanken entwickeln und ihre Perspektiven einbringen können.

«Hier gibt es kein Richtig oder Falsch.»

Eine Lehrperson, die seit drei Jahren mit ihrer Klasse regelmässig am Programm teilnimmt, beschreibt «Schule im Museum» als weit mehr als einen Museumsbesuch:

«Es ist ein Erfahrungsraum, in dem Kinder erleben dürfen, dass Kreativität keine Bewertung braucht. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Die Kinder müssen ihre Ideen nicht rechtfertigen oder erklären. Sie dürfen ausprobieren, scheitern, neu beginnen und ihren eigenen Weg finden.»

Was dabei entsteht, sind nicht nur Zeichnungen, Objekte oder andere Arbeiten. Es entstehen Erfahrungen.

Die Kinder erleben, dass jede und jeder anders arbeitet. Dass Umwege dazugehören. Dass etwas nicht sofort funktionieren muss. Und dass die eigene Idee ihren Wert nicht dadurch erhält, dass sie einer bestimmten Vorstellung entspricht.

«Jede und jeder arbeitet anders – und genau das wird nicht nur akzeptiert, sondern als Stärke verstanden.»

Vielleicht liegt genau darin eine der grössten Stärken des Projekts: Im Museum gibt es Raum für Eigenständigkeit. Ohne Noten und Leistungsdruck können die Kinder ihre eigene Ausdrucksweise entdecken. Sie lernen, wie sie arbeiten, worin ihre Stärken liegen und wie es sich anfühlt, sich einmal nicht mit anderen vergleichen zu müssen.

Ein Ort, an dem Kinder gesehen werden

Für die Lehrperson liegt der grösste Wert deshalb nicht allein in den entstandenen Arbeiten, sondern in dem, was die Kinder über sich selbst erfahren.

Sie erleben: Ich kann etwas. Ich habe etwas zu sagen. Meine Idee darf anders sein. Ich muss nicht so arbeiten wie die anderen.

Und manchmal wird diese Erfahrung auch ausserhalb des Museums sichtbar.

Ein Schüler erzählte seiner Lehrperson voller Stolz, dass er seiner Mutter endlich all die Arbeiten zeigen konnte, von denen er zu Hause schon so lange begeistert berichtet hatte.

Ein kleiner Satz – und doch erzählt er viel darüber, was ein Museum für ein Kind sein kann.

Ein Ort, der inspiriert. Ein Ort, an dem die eigene Arbeit ernst genommen wird. Ein Ort, an dem man etwas entdeckt, das man mit nach Hause nehmen möchte.

Vor allem aber ein Ort, an dem man sich gesehen fühlt.

Kunstvermittlung als gemeinsames Lernen

«Schule im Museum» verändert dabei nicht nur den Blick der Kinder auf Kunst. Auch wir als Museum lernen mit.

Die regelmässigen Begegnungen ermöglichen einen Austausch, der über einzelne Workshops hinausgeht. Die Fragen der Kinder bringen neue Perspektiven in die Ausstellungen. Ihre Beobachtungen zeigen uns manchmal Dinge, die wir selbst übersehen haben. Und wenn sie Besucher*innen durch das Museum führen, werden sie selbst zu Vermittler*innen.

So entsteht ein Lernen in viele Richtungen: zwischen Kindern und Kunst, zwischen Schule und Museum, zwischen den Kindern untereinander und zwischen Kindern und Besucher*innen.

«Ich fand cool, dass es hier kein Richtig oder Falsch gab. Man konnte einfach ausprobieren und musste nicht Angst haben, etwas falsch zu machen.»

Ein Museum, das Raum gibt

Wir möchten, dass Kinder das Museum nicht als Ort erleben, an dem man still sein und die «richtigen» Antworten kennen muss.

Wir möchten, dass sie sich den Raum aneignen.

Dass sie Fragen stellen. Dass sie widersprechen. Dass sie etwas ausprobieren. Dass sie ihre eigenen Geschichten mitbringen. Dass sie Kunst nicht nur anschauen, sondern mit ihr in Beziehung treten.

Und vielleicht nehmen sie am Ende etwas mit, das weit über den Museumsbesuch hinausgeht: das Vertrauen in die eigene Stimme, den Mut zum eigenen Weg und die Erfahrung, dass Unterschiedlichkeit ein Gewinn sein kann.

Denn ein Museum ist für uns dann lebendig, wenn Menschen darin nicht nur Kunst sehen, sondern sich selbst und andere neu entdecken können.

«Schule im Museum» ist deshalb nicht einfach ein Programm für Schulen. Es ist ein gemeinsamer Raum zum Denken, Ausprobieren, Fragen und Wachsen.